Predigt zum 5. Fastensonntag

„Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. 

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 

Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. 

Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ (Joh 11, 21-26)

Liebe Schwestern und Brüder!

Dieser Teil des Evangeliums ist nicht nur an Marta und Maria gerichtet, sondern an uns. Der Evangelist Johannes beschreibt in wunderschönen Bildern eine Freundschaftsgeschichte. Jesus, Maria, Marta und Lazarus sind eng befreundet. 

Immer wieder treffen sie sich – und nun ist Lazarus tot. Dieser Lazarus, aus dem Hebräischen am Besten zu Übersetzen mit „Gott hat geholfen“, ist ein sehr guter Freund von Jesus. Und es berührt ihn im Innersten, das er tot ist und seine Schwestern um ihn weinen. 

Er setzt seine Mission aus und kehrt in ein Krisengebiet zurück, eines das für ihn gefährlich ist, weil Menschen ihm nach dem Leben trachten. Doch die innige Freundschaft und die Zusage Gottes gelten: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Wir selbst bemerken, wie wir in unseren Strukturen denken und da sind. Am Freitagabend hat der Papst in seiner Ansprache davon gesprochen: 

„Der Sturm legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. Er macht sichtbar, wie wir die Dinge vernachlässigt und aufgegeben haben, die unser Leben und unsere Gemeinschaft nähren, erhalten und stark machen. Der Sturm entlarvt all unsere Vorhaben, was die Seele unserer Völker ernährt hat, „wegzupacken“ und zu vergessen; all die Betäubungsversuche mit scheinbar „heilbringenden“ Angewohnheiten, die jedoch nicht in der Lage sind, sich auf unsere Wurzeln zu berufen und die Erinnerung unserer älteren Generation wachzurufen, und uns so der Immunität berauben, die notwendig ist, um den Schwierigkeiten zu trotzen.“ (http://www.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2020/documents/papa-francesco_20200327_omelia-epidemia.html)

Lazarus kommt am Ende wieder ins Leben zurück, weil er in diese Beziehungen eingebunden ist, weil diese Beziehungen ihn tragen und sich um ihn kümmern, weil alle mithelfen, dass er wieder ins Leben zurückkehren kann: „Löst ihm die Binden.“ (https://www.bibelwerk.de/fileadmin/sonntagslesung/a_fastensonntag.5_e_joh.11.pdf)

Liebe Schwestern und Brüder, ist das nicht gerade auch unsere Aufgabe in dieser Zeit? Beziehungen, die wir geschlossen haben, sind auf Distanz zu pflegen? Haben wir nicht dieselben inneren Regungen, die auch Jesus umtreiben? Schmerz, Trauer, innere Erregung und Trauer? Im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung oder im Internet hören und lesen wir von zeitlichen Trennungen, die nun geschehen. Da sind die Kinder und Enkel, die nun auf einen Besuch bei den Großeltern verzichten, da sind die Schulen, die nun in den Ferien sind – aber auch vorher schon in der Distanz beim Unterricht zu Hause blieben, die Kleinen aus den Kindergärten. Eine Distanz, die wir nicht gewohnt sind – und die für uns auch schmerzlich ist.

Neue kreative Lösungen sind ja da! Die sozialen Kommunikationsmittel, das Miteinander im guten Abstand über das Telefon über Briefe oder tatsächlich über den Balkon oder durch das geöffnete Fenster.

Die Glocken laden uns zum gemeinsamen Gebet ein: 18.00 Uhr zur Hl. Messe, um 19.30 Uhr zur Kerze im Fenster und zum gemeinsamen Gebet des Vater Unsers oder im Gedenken aneinander. Unsere Messdiener*innen haben ein diakonisch-caritatives Projekt der Nachbarschafts- und Krankenhilfe auf die Beine gestellt mit vielen anderen in der Stadt Vechta und in Oythe. Die Solidarität ist mehr als spürbar, gerade auch hier: ist das nicht auch ein Zeichen der Lebendigkeit, zu der Christus den Lazarus – „Gott, hat geholfen“?

Dieses „Lebendigsein“ geschieht im Jetzt, in der – gläubigen – Beziehung zu Jesus, im Lieben, Weinen und „Erschüttertsein“ mit ihm, im Mitleiden mit anderen Menschen, in der Gemeinschaft derer, die in seinem Namen füreinander sorgt. (vgl.: https://www.bibelwerk.de/fileadmin/sonntagslesung/a_fastensonntag.5_e_joh.11.pdf)

Liebe Schwestern und Brüder,

im gemeinsamen Glauben sind wir gestärkt im Hl. Geist, der uns von Christus verheißen wurde. Dieser Geist durch Taufe und durch die Firmung verstärkt macht uns fähig aufeinander zu achten und zu Gott zu beten, dieser Geist macht uns kräftig: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.“ (Ez 37, 14)

Wir haben diesen Geist in der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Ezechiel verheißen bekommen; Paulus legt ihn noch einmal in dem Brief an die Römer aus: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ (Röm 8,11)

Ist das nicht eine Zuversicht, die wir in dieser Welt leben dürfen? Der Hl. Vater hat es am Ende seiner Ansprache noch einmal für uns zusammengefasst:

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten, die das Heil des Volkes Gottes und der Meerstern auf stürmischer See ist. Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab. Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: »Fürchtet euch nicht!« (Mt 28,5). (http://www.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2020/documents/papa-francesco_20200327_omelia-epidemia.html)

Wir haben einen Geist empfangen, der uns lebendig macht und die Zuversicht Christi: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben!“

Glauben wir ihm, lassen wir die Lebendigkeit Gottes unter uns aufleben und sagen wir unsere Zuversicht weiter, damit auch andere das Leben haben!

#BleibenSieGesund – Amen

  • von 4lb3rt
    Das heutige Evangelium lässt uns das Herzstück der Schriftauslegung Jesu erfahren. Wir hören seine Antwort auf die Frage, was die zentrale Aussage der Sammlung der Heiligen Texte ist, die wir heute das Alte Testament nennen. Es ist die Lebenspraxis der Gottes- und Nächstenliebe, die Jesus in der Tradition seines Volkes vorgefunden und uns so beeindruckend […]
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